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Die volle menschliche Potenzialentfaltung als Ziel des Seins

Die Humanistische Psychologie versteht den Menschen wachstumsorientiert, systemisch und ganzheitlich.

Eine Hauptkomponente des sich seelischen Wohlfühlens ist die Fähigkeit im Hier und Jetzt zu sein (…) Es gibt erhebliche Überschneidungen zwischen den Eigenschaften des Gipfelerlebnisses und den Eigenschaften der psyschischen Gesundheit (…)  Gipfelerlebnisse können als wahrhaft religiöse Erfahrung im besten und tiefsten universellsten und humanistischsten Sinne des Wortes gelten (…) Alle mystische Erfahrung, wie sie klassisch beschrieben wird, wurde mehr oder weniger durch Gipfelerfahrungen erlangt (…) Es kann sich herausstellen, dass die wichtigste Konsequenz aus dieser Arbeit darin besteht, die Religion in den Geltungsbereich der Wissenschaft eindringen zu lassen.

Prof. Dr. Abraham H. Maslow

Psychologe/ "Gründervater" der Humanistischen Psychologie, Maslow


Von der menschenfernen zur menschenzentrierten Therapie

Maslows Brücke von der Humanistischen zur Transpersonalen Psychologie


Humanistische PhilosophieAnknüpfend an Maslows obiges Zitat, sei der Behaviorismus in Bezug auf bestimmte negative menschliche Verhaltensweisen wie bspw. Gier, Lust an Macht und Dominanz anderer, wenig hilfreich. Maslow ersetzte daher das behavioristische Motivationsmodell von „Strafe und Belohnung (von außen)“ durch die Humanistische Psychologie mit einem Konzept der Selbstmotivation (von innen heraus), zu welcher der Mensch fähig ist – auch ohne Androhung von Strafe oder Aussicht von externaler Belohnung – weil er einen inneren Ruf oder Drang zur Selbstverwirklichung verspürt.

Abraham MaslowAbe Maslow, wie seine Freunde ihn nannten, wollte vor allem wissen, was Menschen – also auch die „supergesunden Normalneurotiker“ – psychisch wirklich gesund machen könne. Er forderte die Menschen daher auf, sich zuerst den eigenen Grundbedürfnissen zuzuwenden und diese zu würdigen, bevor sie sich auf die höheren sozialen Anforderungen und die Selbstverwirklichung fokussieren. Sind basalen Ebenen jedoch erfüllt, so ist es an der Zeit sich seines eigenen organismischen Potenzials voll gewahr zu werden und es aktiv mit aller Kraft auszudrücken. Maslow drückte dies in seiner „Hierarchie der Bedüfnisse“ aus, was später (fälschlicherweise) als sogenannten „maslowsche Bedüfnispyramide“ bekannt geworden ist (denn Maslow selbst hat nie eine pyramidale Darstellung entworfen). Rogers sieht 1961 in der Initiierung und Begleitung dieses Wachstumsprozesses die heilsame Kraft für die Humanistische Psychologie und Psychotherapie (in „Becoming a Person“).

Humanistische Psychologie EthikHumanistischen Psychologie eignet sich demzufolge besonders für Menschen, welche an den freien Willen und die positive Seite der Menschheit glauben. Dieses Konzept lässt sich zu Freuds Theorie des biologischen Determinismus kontrovers betrachten. Weiterhin versteht die Humanistische Psychologie die menschliche, existentielle Begegnung (mit einem greifbaren Gegenüber) als einen der wichtigsten, heilsamen Faktoren in der Psychotherapie – was auch durch neuere Psychotherapie-Forschungen bestätigt worden ist. Dieser bubersche Begegnungsansatz steht laut Jakob L. Moreno im krassen Wiederspruch zum althergebrachten, verzerrten und „verrückt machenden“  Beziehungsmodell der Psychoanalyse (Quelle nach Dr. Ingo B. Jahrsetz).

Eine weitere wesentliche Stärke der humanistischen Psychologie-Theorie ist die, dass sie relativ flexibel mit anderen Denkschulen kompatibel ist und so auch zu vielen verschiedenen therapeutischen Formen und Stilen beitrug, die alle von der Idee getragen waren, dass Menschen die inneren Ressourcen für Wachstum und Heilung in sich selbst besitzen. Dies spiegelt sich auch in Haltung und Arbeitsstil bspw. von Gestaltpsychotherapie, Systemischer Therapie, Körperpsychotherapie, Psychodrama und Klientenzentrierter Gesprächstherapie wieder. Ziel der humanistischen Psychotherapie ist es, Hindernisse die den Einzelnen vom Erreichen seiner Ressourcen und letztlich seiner Selbstverwirklichung abhalten, aufzudecken und durchzuarbeiten – was in der humanistischen Philosophie auch systemisch oder gesellschaftliche Betrachtung finden kann. Denn schließlich gibt es unzählige Menschen aus den unteren Schichten, die durch ein tägliches Hamsterrad, mitunter aus mehreren beruflichen Tätigkeiten, davon abgehalten werden, überhaupt auch nur an so etwas wie ein ihnen innewohnendes Potenzial zu denken.

Grundprinzipien Humanistische Psychologie

1.) Das gegenwärtige Sein eines Menschen ist wichtigster Aspekt – nicht die Überprüfung der Vergangenheit oder der Versuch, die Zukunft vorauszusagen.
2.) Um geistig gesund zu sein, muss der einzelne Mensch eine persönliche Verantwortung für sein Handeln übernehmen, ganz gleich ob das Ergebnis positiv oder negativ ist.
3.) Jeder Mensch ist schlichtweg durch sein natürliches Sein wertvoll. Bestimmte negative Handlungsweisen zerstören somit nicht den generellen Wert einer Person, müssen aber auch nicht beschönigt werden.
4.) Das ultimative Ziel des Lebens ist es, kontinuierliche persönliche Entwicklung zu betreiben und ein größeres Selbstverständnis zu erreichen.
Prof. Carl Rogers (Klientenzentrierte Gesprächstherapie) und Dr. Virginia Satir (Systemische Familientherapie) griffen Maslwos Konzeption auf und gründeten u.a. mit James F. T. Bugental, Rollo May und anderen gemeinsam in den späten 50ern-frühen 60ern die „American Association for Humanistic Psychology (AHP)“. In „The Search for Authenticity“ (1965), führte James F. T. Bugental erstmalig die Kernpostulate der Humanistischen Psychologie auf.

 

Kernpostulate Humanistische Psychologie

1.) Menschliche Wesen sind mehr als “die Summe ihrer Teile”.
2.) Menschliche Wesen leben in zwischenmenschlichen Beziehungen und Kontexten.
3.) Menschliches Bewusstsein beinhaltet ein Selbst-Bewusstsein, dass erweiterbar und schärfbar ist.
4.) Menschliche Wesen besitzen Wahlmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten – d.h. sie können entscheiden.

Humanistische PsychologieEin Hauptanliegen für die Humanistsche Psychologie-Bewegung war und ist es daher – im Sinne Aldous Huxley´s – den ganzen Menschen wachsen und entfalten zu lassen (“Human Potential Movement”). Die antiken Griechen prägten dafür den Begriff Areté“ – er bezeichnete ursprünglich den „Akte des Lebens hin zu seinem größtmöglichen Potenzial“, entsprechend der eigenen Bestimmung“. Wir sprechen hier über eine Form der Reife und Selbstverwirklichung, wie sie die allermeisten Menschen in unserer modernen Welt nicht erreicht haben, weil sie nicht gelernt haben, ihre eigenen Impulse wahrzunehmen, zu betrachten, zu verstehen und intuitiv auszudrücken, weil sie die Verbindung zu sich und ihrem Körper, wie auch zur Natur, zu den Vorfahren und Mitmenschen häufig nicht gefunden oder wieder verloren haben. Daher schreibt Maslow:

„Selbstverwirklichende Menschen, Menschen also, die einen hohen Grad der Reife, Gesundheit und Selbsterfüllung erreicht haben, können uns so viel lehren, daß sie manchmal fast wie eine andere Rasse menschlicher Wesen erscheinen.“

(Prof. Abraham H. Maslow)

Sie brauchen keine neuen Methoden, sondern eine andere Haltung. Kein Ansatz, der sich auf Wissen, auf Training, auf die Annahme irgendeiner Lehre verlässt, kann auf Dauer von Nutzen sein. Haltung ist entscheidend nicht Worte.

Prof. Dr. Carl Ranson Rogers

Psychologe/ Mitbegründer der Humanistischen Psychologie, Rogers

Selbstverwirklichte Menschen sind nach Maslow in der Lage:

  • Situationen ehrlich zu beurteilen.Gipfelerlebnisse_mystische_erfahrung
  • Sie sind sehr feinfühlig für Unehrlichkeit und Vorspiegelung falscher Tatsachen.
  • Sich selbst/ anderen und der Natur mit allen Höhen und Tiefen mit Humor und Akzeptanz zu begegnen.
  • Sich ein eigenes Urteil zu machen – unabhängig von ihrer kulturellen Prägung sowie der täglichen äußeren Beeinflussung.
  • Spontan, natürlich und wahr zu handeln, auch wenn die Handlung anderen Menschen missfällt.
  • Einer Aufgabe/ Mission zu verfolgen, die über sie selbst hinaus reicht.
  • Kraftvoll und unabhängig ohne externe Autoritäten zu leben.
  • Die Welt immer wieder täglich neu, wie ein forschendes Kind, mit all den kleinen Wundern und Schönheit zu entdecken.
  • Tiefe und liebevolle Verbindungen und Beziehungen zu anderen Menschen aufrecht zu erhalten.
  • Eher wenige Freunde, aber dafür qualitativ hochwertige Freundschaften zu pflegen.
  • Mit dem Alleinsein gut umzugehen und sich auch dabei rundum wohl zu fühlen. Mitfühlen, Empathie und soziale Anteilnahme zu kultivieren.
  • Gipfelerfahrungen (als Ergebnis von Selbstverwirklichung) häufig zu erleben.

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© freiraum-Institut (FRI) (Artikel von Jörg Fuhrmann) – Teilen ausdrücklich erwünscht.

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